Archiv des Autors: Martin

Im Supermarkt

Zwischendurch mal ein paar Fotos von Produkten, die man in Deutschland so nicht findet 🙂

Geröstete Algen

Pansen (nein – nicht für die Hunde…)

Hühnerfüße

Getrocknete Mini-Shrimps

Entenhälse

Durian Bällchen. Durian ist auch bekannt als Stinkfrucht – und ja, sie stinkt wirklich abstoßend, so dass sie z.B. in Singapur nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln transportiert werden darf 🙂

Weihnachtsfeier im Kindergarten

Freitag war im Kindergarten Weihnachtsfeier. Die Kinder hatten seit ein paar Wochen fleißig für ihren Auftritt geübt – soviel haben wir ja zu Hause schon mitgekriegt.
Die Eltern sollten dafür eine Kleinigkeit, die in ihrem Land zu dieser Jahreszeit üblich ist, mitbringen (mit Rezept-Zettel). Jule hatte Stollen-Gebäck gemacht (sehr lecker), aber wegen der vielen vertretenen Nationen, war letztendlich von Sushi über Glibber-Jelly und Vanille-Kipferl bis zum Eintopf mit Fleischeinlage so ziemlich alles dabei:

Nachdem sich alle am Buffet ein bisschen gestärkt hatten, ging es ins Theater des Kindergartens, wo die Kinder der beiden K1-Klassen (also alle 4-5jährigen) mit Kerzen einzogen, Lieder sagen und tanzten. Lasse war mit sehr großem Eifer und in der ersten Reihe dabei. Unten ein paar Fotos vom „Happiest Christmas Tree“.

Anschließend ging es dann noch in die jeweiligen Klassenräume, wo auch die Eltern noch mit tanzen und spielen konnten, bevor es für jedes Kind ein kleines Geschenk gab, das man vorher beschriftet abgeben haben sollte.
Lasse wollte danach gar nicht mehr nach Hause und war einer der letzten, die schließlich das Kindergartengelände verließen.

Weihnachten

Liebe Familie,

Lasse lernt fleißig Weihnachtslieder im Kindergarten und er kann auch schon die meisten mitsingen.
Damit Ihr Euch auf das Repertoire ein wenig vorbereiten könnt, und wir zusammen singen können, hier drei Stücke in Text und Ton:

We wish you a merry Christmas:


I’m the happiest Christmas tree:


Rudolph the red nosed reindeer:


Texte: Textblatt Christmas Songs

Golden Week in Japan

Wie inzwischen ja bekannt sein dürfte, ist man zu den beiden Feiertagswochen im Jahr besser nicht in China. Also hatten wir über den chinesischen Nationalfeiertag (1.10.) eine Reise nach Japan geplant.
Dort im Süden von Okinawa sollte es schön warm sein und windig noch obendrein. Dazu kommt noch, dass der Flug von Shanghai nur ca. 2 Stunden dauert. Von Okinawa selbst brachte uns dann noch ein kleiner Hüpfer bis auf die Insel Miyakojima. In Okinawa am Flughafen wurde man direkt an Hawaii erinnert. Die Angestellten trugen Blumenhemden und im Gegensatz zu China waren alle extrem zuvorkommend, und checkten unser Über- und Kitegepäck problemlos in die kleine Maschine ein.
Vor Ort angekommen erhielten wir einen Mietwagen. Zunächst hatten wir Bedenken gehabt, wie wir unsere 2 großen Kitebags, 2 Reisetaschen und die extra Tasche mit dem SUP in einen günstigen Mietwagen reinkriegen sollten. Aber zum Glück war das Fahrzeug eins der praktischen japanischen Box-Cars, die bei kubischer Form den Innenraum ideal ausnutzen. Alles passte in den Subaru rein und wir fuhren zu unserem Gasthaus, das mit einer angeschlossenen Kiteschule ein guter Ausgangspunkt zu sein versprach.
Wie geplant war es sehr tropisch warm (genau genommen eigentlich zu heiß), so dass man getrost den ganzen Tag im Meer verbringen konnte, ohne kalt zu werden. Wassertemperatur: 28°C
Leider bekamen wir trotz Eincremen gleich am ersten Tag alle einen leichten Sonnenbrand, während wir uns am Strand vergnügten…


Nach zwei ruhigen Tagen kam dann auch der ersehnte Wind auf. Zunächst in Form eines Taifuns, der in einiger Entfernung vorbeizog und ein wenig Regen, aber auch viel Wind mit sich brachte.
Wir verbrachten die kommenden Tage also mit Kiten, Baden, Schnorcheln und Paddeln – und wenn der Wind aus war, erkundeten wir den Rest der malerischen Strände oder das Inselinnere.

Zum Beispiel gibt es auf Miyakojima ein deutsches Kulturzentrum. Eingerichtet von einer Gruppe deutscher Seeleute, die im 19 Jahrhundert vor der Küste Schiffbruch erlitten hatte und von der Inselbevölkerung gerettet worden war. Wir spazierten also die Gerhard Schröder Straße entlang und betrachteten bei Blasmusik die „deutsche“ Architektur. Auch Diddel-Postkarten gab es zu kaufen – gibt es die überhaupt in Deutschland noch?

Das Kiterevier war hervorragend. Zwei große Flachwassergebiete, die bis auf uns und die Kiteschule menschenleer waren. Bei Ebbe wurde das Wasser so flach, dass Lasse überall stehen konnte, und wir ihn guten Gewissens auf dem Kiteboard mitnehmen konnten 🙂
Wenn er nicht mit den SUP oder dem Kite mitfuhr, konnte er gar nicht genug davon kriegen, in den Wellen am Ufer zu plantschen.


Ich fand die vielen Einsiedlerkrebse am Strand interessant, die sich in den hübschesten Schneckenhäusern häuslich eingerichtet hatten. Nur Lasse fand die Krebse und Krabben unheimlich, und als er einmal einen Strandweg alleine entlang ging, traf er auf ein mehr als faustgroßes Exemplar, dass ihm den Schreck seines Lebens einflößte.

Nach 10 Tagen waren wir schön urlaubsgebräunt, hatten mit allen mitgebrachten Kitegrößen gesurft und kannten den einzigen größeren Supermarkt der Insel auswendig (die Sushi-Auswahl war hervorragend).
Also konnten wir die schöne Insel zurücklassen, um in das herbstliche China zurückzukehren.

Fotos wie immer in der Galerie:

Man gewöhnt sich an alles

Der Mensch ist unglaublich anpassungsfähig..
Wir wohnen ja jetzt schon 1.5 Jahre in China.
Und das Land ist sehr sehr unterschiedlich zu unserer westlichen Kultur.
Das fängt bei alltäglichen Dingen, wie Nahrungsaufnahme und Straßenverkehr an und hört bei sozialen Interaktionen und gesellschaftlichen Vorstellungen auf.
Mir fällt besonders auf, dass man sich an den Alltag (wenn man den so nennen kann), doch ziemlich gut gewöhnt. Wir essen selbstverständlich mit Stäbchen und kennen die lokalen Tischmanieren (immer Einzelnen zuprosten – nicht allen zusammen; der Rangniedrigere hält sein Glas tiefer; Schmatzen und Rülpsen ist ok; wenn man fragt, wie etwas schwierigere Teile in den Mund befördert werden sollten hat man nicht genug Hunger; da ein runder Tisch kein Kopfende hat, sitzt der Gastgeber oder der wichtigste Gast gegenüber der Eingangstür, etc…).
Im Straßenverkehr und in Warteschlangen drängelt man sich so gut es geht überall vor (weil man sonst nie zum Zuge käme) und mit Taxi, Bus, Bahn und Flugzeug bewegen wir uns auch sicher durchs Land. Das Bahnfahren gleicht hier eher einer Flugreise. Wenn man seine Fahrkarte hat geht es damit durch eine Gepäckdurchleuchtung am Eingang des Bahnhofs. Dahinter folgt eine sozialistisch-riesige Wartehalle für alle, in der man sich aufhält, bis ca. 15min vor Abfahrt des Zuges der jeweilige Bahnsteig geöffnet wird. In den Schnellzügen fährt man dafür aber auch recht komfortabel, pünktlich und mit 300km/h sehr zügig durchs Land. Von Suzhou nach Peking braucht man genau 5h 5min.
Auch an die sonstigen Lebensverhältnisse gewöhnt man sich so sehr, dass einem vieles schon gar nicht mehr auffällt, was man als Tourist höchst exotisch fände. Zum Beispiel Garküchen auf der Straße, kleine Restaurants, die Verlegung von Stromleitungen und die Schlachtung von Schweinen in zur Straße hin offenen Läden.
Ich habe ja häufig bei Ausflügen meine Kamera dabei und ertappe mich dabei, wie ich denke, dass ich eine bestimmte Szene normalerweise als höchst interessant fotografiert hätte – es aber jetzt nicht tue, weil es eben normal ist. Zum Beispiel so etwas:
Overload

Woran man sich etwas schwerer gewöhnt, ist das unterschiedliche Denken der meisten Einheimischen.
Vielem zu Grunde liegt ein kommunistischer Hintergrund im eigentlichen Sinne des Wortes: Die Gemeinschaft ist wichtiger als der Einzelne. Daher ist es natürlich ganz normal, dass z.B. der Bau von Infrastruktur für alle auf Kosten weniger, deren Haus der neuen Autobahn im Weg steht, völlig akzeptiert ist. China wächst immer noch so schnell, dass sich alles in kurzer Zeit ändert. Man kann daher nicht besonders langfristig planen, sondern geht davon aus, dass alles kurzfristig veränderten Voraussetzungen angepasst werden muss und auch kann. Das hat den Vorteil, dass man spontan überall alles machen und bekommen kann. Andererseits hat man wenig Planungssicherheit z.B. in der Arbeit, was Projekte, Reisen oder Termine angeht. Jeder muss immer und überall erreichbar sein. Bei meiner ersten Schulung, die ich gegeben habe, waren 5 Minuten nach Beginn die Hälfte der Teilnehmer am Telefon und aus dem Raum verschwunden.. (aktuell lasse ich höchst unchinesisch die Handys am Anfang ausschalten und mache jede Stunde eine Kommunikations-Pause 😉 )
Das berühmte „Gesicht-verlieren“ reicht auch durchaus weiter, als man oberflächlich meinen würde. Bekommt man als Chinese einen Auftrag, den man nicht erfüllen kann, sollte man das keinesfalls kommunizieren. Stattdessen lässt man alles so vor sich hin laufen – man rennt gewissermaßen sehenden Auges ins Verderben bis kurz vor knapp raus kommt, dass es nicht klappen wird. Dann lächelt man entschuldigend, hat ggf eine schwache Ausrede – und nächstes Mal passiert das gleiche…
Dazu kommen natürlich noch sprachliche Probleme, denn viele Chinesen sprechen gar kein oder nur sehr rudimentäres Englisch. Dazu existieren in Chinesisch praktisch keine Konjugationen oder Deklinationen. Alles ist Präsens – das Englisch, mit dem man hier kommuniziert ist auch sehr stark vereinfacht und passt sich der chinesischen art zu sprechen an – zum Beispiel kommt man auch sehr gut ohne Artikel aus 🙂 . Interessant ist dabei, dass in der chinesischen Sprache sehr viele Umschreibungen, Redewendungen und Metaphern genutzt werden. Ich hoffe, Jule hat dazu ein paar praktische Beispiele.
Trotz aller Gewöhnung an das Leben hier bleiben wir natürlich als Ausländer bei sehr vielem einfach außen vor – verstehen vieles auch einfach nicht. Und bei nur 600.000 Ausländern, die unter 1.4 Milliarden Chinesen leben, fällt man auch immer auf, und wird auf die eine oder andere Weise besonders behandelt.
Interessant ist und bleibt es allemal.

Heute keine Fotos…

Xi’an und Huashan

Die Feiertage, die wir in China haben, unterscheiden sich doch stark von den deutschen.
Ich glaube, die einzigen Gemeinsamkeiten sind der 1. Mai und Neujahr.
Am 4. April hatten wir daher einen Tag des Ahnengedenkens – also so ähnlich wie Allerheiligen in Deutschland.
Das verlängerte Wochenende nahmen wir zum Anlass, einen Ausflug nach Xi’an zu machen.
Xi’an war – strategisch günstig in der Mitte Chinas gelegen – vor mehr als 2000 Jahren die erste Hauptstadt Chinas, und ein wichtiger Stützpunkt auf der Seidenstraße.
Ganz in der Nähe der Stadt steht die berühmte Terrakotta-Armee. Sie ist Teil einer Grabanlage, die ein Kaiser der Qin-Dynastie 200 vor Christus über 36 Jahre von bis zu 700.000 Arbeitern errichten ließ. Über den Lauf der Jahrhunderte in Vergessenheit geraten, brachen 1974 Bauern beim Graben eines Brunnens durch das Dach der Anlage. Nach und nach fand man tausende lebensgroße Krieger mit Pferden, Waffen und allem Drum und Dran. Hier weitere Informationen.
Unser Trip fing etwas holperig an, denn ich hatte unseren Flug statt am Samstag früh aus unerfindlichen Gründen erst für Nachmittag gebucht. Wir standen also morgens um 7 am Flughafen, und konnten nicht einchecken. Gegen einen saftigen Aufpreis konnten wir aber immerhin umbuchen, und doch morgens noch losfliegen.
Vor Ort nahmen wir direkt ein Taxi zu den Terrakotta-Kriegern – auf Chinesisch 兵马俑 – BingMaYong. Von vielen Seiten hatten wir gehört, dass die Anlage recht enttäuschend wäre. Vielleicht lag es also an niedrigen Erwartungen, dass wir extrem beeindruckt waren.
Man geht davon aus, dass bisher etwa die Hälfte der Anlage ausgegraben ist, und man kann jetzt schon drei verschiedene Hallen mit vielen unterschiedlichen Formationen besichtigen.

Nachdem wir uns satt gesehen hatten, verhandelten wir mit anwesenden Taxifahrern einen Preis zum Huashan. Einer der fünf heiligen Berge in China, der durch mehrere Gipfel, verbunden durch steile Bergpfade, sehr ausgesetzte Treppen und Klettersteige, beeindruckt.
Bis vor ca. 15 Jahren war der Aufstieg ein lebensgefährliches Unterfangen, da an bis zu 70° steilen Flanken nur ein paar kleine Tritte in den Fels geschlagen waren.

Nicht viel Halt vor dem freien Fall.

Nicht viel Halt vor dem freien Fall.

Heutzutage ist alles gut abgesichert, und es gibt auch zwei Seilbahnen, die die Touristenmassen auf den Berg bringen.
Wir nahmen uns aber lieber den ganzen Sonntag Zeit und wählten den Aufsieg zu Fuß. Von 700hm geht es auf 2155hm hinauf. Hierfür aktivierten wir wieder die Kraxe, da Lasse natürlich nicht so viel wandern kann. Dementsprechend brauchten wir für den Aufstieg ca. 5 Stunden – bis zum ersten Gipfel. Wir hatten es aber auch nicht sonderlich eilig, denn eine dichte Wolkendecke lag über dem Berg, so dass wir nach den ersten paar hundert Höhenmetern in den Wolken wandelten und von dem beeindruckenden Panorama lange Zeit nichts sahen.
Für den Nachmittag war aber ein Aufklaren vorhergesagt, so dass es nicht allzu schlimm war, sich oben in den Touristenmassen, die zusätzlich noch von der Seilbahn ausgespuckt wurden, langsam über die Steige und Gipfel zu schieben.

Für den über dem Abgrund hängenden Klettersteig hatten wir extra unsere Sitzgurte dabei – als es tatsächlich später am Nachmittag aufzuklaren begann, stellten wir uns damit in die Schlange der nicht gerade sehr trittsicheren Chinesen an, um einen der beiden Steige zu klettern. Wir mussten über eine Stunde warten, und die Aufpasser am Einstieg überreden, dass wir auch mit Lasse in der Kraxe den leicht überhängenden Abstieg schaffen könnten.
Die Wartezeit wurde immerhin von der sich nach und nach zeigenden Aussicht versüßt. Nach dem Klettersteig mussten wir dann schnell zur zweiten Seilbahn laufen, bevor diese um 19Uhr schloss, um noch eine Talfahrt zu ergattern. Denn inzwischen waren wir von den tausenden Stufen mit schwerem Lasse auf dem Rücken doch ziemlich fertig.

In der Dunkelheit kamen wir unten an und mussten dann noch einen Shuttlebus zurück in den Ort nehmen. Dort waren wir aufgrund der fortgeschrittenen Stunde versucht, noch eine zweite Nacht hier zu bleiben und am nächsten Morgen mit dem Zug wieder nach Xi’an zu fahren.
Dann überredeten wir aber doch noch einen Taxifahrer, uns für 400RMB (ca. 60€) die 120km zu fahren. Wir hatten ja in Xi’an auch schon ein Hotel reserviert, das sonst verfallen wäre.

Der Taxifahrer gurkte zunächst mit seiner Rostlaube über nervige Nebenstraßen zum Tanken und schlingerte uns dann mit 80km/h (120 sind erlaubt) über die Autobahn. Und obwohl wir ihm klar machten, dass wir den Weg kennen und ihn zum Hotel lotsen würden, hielt er kurz nach Ortseingang an, um uns an einen lokalen Kollegen zu übergeben. Von den vereinbarten 400RMB sollten wir ihm 300 und dem Kollegen 100 zahlen. Da wir nun aber schon fast am Ziel waren, kauften wir uns mit 300RMB frei und nahmen das nächstbeste Taxi, um uns flugs und mit Taxameter für 20RMB zum Hotel sausen zu lassen.

Am Montag unternahmen wir nach dem Ausschlafen dann eine Besichtigungstour durch Xi’an. Hier gibt es eine sehr große Muslimische Bevölkerung mit Moschee und muslimischem Viertel. Wir schlenderten also durch die Gassen und staunten über die vielen spannenden Essens-Stände und Basare.

Granatapfel

Granatapfel

Die sehenswerte riesige Stadtmauer ließen wir aus und probierten uns lieber durch diverse lokale Spezialitäten, wie frittierte Banane, Fladenbrot, scharf gewürzte Kartoffeln und Waffeln.
Die mit Innereien aller Art köchelnden Suppen ließen wir lieber aus…
Am Nachmittag ging es dann auch schon wieder zum Flughafen und zurück nach Hause, wo wir nach Mitternacht müde aber um viele Eindrücke reicher in die heimischen Betten fielen.

Fotogalerie:

Hongkong

Da Jule ihrer geregelten Arbeit nachgeht, braucht sie ein neues Visum.
Viele Ausländer, die in China arbeiten, haben ein Business-Visum, dass multiple Einreisen erlaubt, aber immer nur 30 Tage Aufenthalt im Land. Um erneute 30 Tage zu erhalten, muss man China verlassen und neu einreisen. Die günstigste Methode ist es, dafür nach Hongkong zu reisen. Man kommt relativ billig hin und braucht für Hongkong selbst zur Einreise zumindest als Deutscher kein Visum.
Dennoch ist diese Methode natürlich recht mühsam, weshalb Jule ja ihre Residency anstrebt. Aber auch um die Art der Aufenthaltserlaubnis zu wechseln muss man das Land verlassen. So kam Jule zu ihrer Hongkong-Reise, und da ich da auch noch nie war, fuhr ich gleich mit.
So ein Residence Permit ausstellen zu lassen dauert mindestens 4 Werktage. Also planten wir zwei private Wochenenden und für Jule die Woche dazwischen zum Warten aufs Visum ein.
Ich fuhr während der Woche mit der Fähre zu Kundenbesuchen ins benachbarte Guangzhou und nach Shenzhen, das über Nahverkehr auch mit Hongkong verbunden ist.
Was macht man also an zwei Wochenenden in Hongkong:
Natürlich zunächst mal die Stadt erkunden mit ihrer beeindruckenden Skyline. Dann die Umgebung entdecken, denn Hongkong besteht aus vielen Inseln und direkt hinter der Stadt geht es in die Berge, wo man unberührt wirkende Natur mit Wanderwegen und Stränden finden kann. Und zu guter Letzt Shoppen (aber das haben wir weniger extensiv betrieben ;))

Hongkong ist sehr interessant, wenn man das chinesische Festland kennt. Wir haben festgestellt, dass Hongkong ziemlich genau so ist, wie man sich China aus der Ferne vorstellt: Exotisch, asiatisch, gleichzeitig verfallen und hochmodern. Selbst die Sprache (Kantonesisch) hört sich chinesischer an als das Hochchinesisch, das man in Peking spricht. Das Nahverkehrsnetz ist stark von Großbritanniens Einfluss geprägt. Es gibt neben der Metro und Doppeldeckerbussen auch eine antiquierte doppelstöckige Tram, die durch die Straßen zuckelt. Da man während der Fahrt von oben eine super Aussicht hat, war diese sogenannte „Ding-Ding“ Lasses bevorzugtes Verkehrsmittel.

Lasse in der Dingding

Lasse in der Dingding

Am ersten Wochenende fuhren wir in das kleine Fischerdorf „Tai-O“. Hier stehen die Häuser alle auf Stelzen, die Straßen sind Wasserstraßen und die Bewohner fahren darauf mit ihren Booten, wie anderswo mit dem Auto.
Am zweiten Tag waren wir in Kowloon, hier stand früher die berühmte „Walled City“, die leider 1994 abgerissen wurde. Eine beeindruckende Bilderserie zu diesem ehemaligen Moloch, wo 33.000 Menschen auf 0.027km² lebten, findet sich bei Greg Girard.

Am zweiten Wochenende war endlich schönes Wetter und wir nutzten die Zeit für eine ausführliche Wanderung im Hinterland. Auf schmalen Pfaden ging es bergauf, und oben angekommen konnten wir den Gleitschirmfliegern beim Starten zusehen, die beliebig lange im Aufwind fliegen konnten. Lasse kletterte den ganzen Tag durch den Dschungel querfeldein alles alleine hoch und runter.

Am letzten Tag nutzten wir die Möglichkeit, unser Gepäck am Hauptbahnhof schon für den Flug einzuchecken und fuhren auf den Gipfel der Hauptinsel, von dem man einen tollen Ausblick über die Stadt mit ihren Wolkenkratzern hat, bevor es am Nachmittag für uns auch zum Flughafen und wieder zurück nach Suzhou ging.
Natürlich mit Jules neuer Aufenthaltserlaubnis im Pass.

Hongkong Impressionen:

Australien

Seit einiger Zeit betreue ich von China schon unsere Niederlassungen in Singapur, Korea und Australien mit (theoretisch auch Malaysia und Vietnam, aber da war ich noch nie…).
Nun gibt es in Australien ein größeres und enorm wichtiges Projekt, das meine Anwesenheit vor Ort für mehrere Wochen verlangt. Da ich ungern so lange von der Familie getrennt sein wollte, richteten wir uns auf ca. ein halbes Jahr in Melbourne ein – suchten einen Kindergarten, guckten mögliche Wohnorte und Arbeitswege an.
…bis Jule ein paar Wochen vor der geplanten Abreise ihren Job in Suzhou bekommt.
Alles wird wieder umgeplant. Da sie nun nicht mehr mitkommen kann, verkürze ich den Aufenthalt auf 3 Monate, ein Kindergarten wird nicht mehr gebraucht, der Umzug besteht nur noch aus drei Packstücken und die Wohnung kann kleiner sein. Spart auf jeden Fall meiner Firma einiges Geld 😉
Im November geht es dann für mich los in Melbourne. Gerade passend, um dem chinesischen Winter und der damit einhergehenden besonders starken Luftverschmutzung zu entfliehen. Ich habe eine kleine 2-Zimmer Wohnung in Melbournes Süden direkt am Strand und ein Auto zur Verfügung.
Mit warmem Wetter und Palmen am Strand ist jeder Feierabend und jedes Wochenende ein bisschen wie Urlaub.

Am Strand vor der Haustür

Am Strand vor der Haustür

Dazu kommt, dass man nach einem Jahr in China auch unsere westliche Lebensweise schon etwas vermisst. Also Cafés und Restaurants mit essbarem Essen, und eine Sprache, die man versteht…
Am Anfang ist das Wasser noch etwas kalt, aber da Melbourne an einer Meeresbucht liegt, wird es schnell wärmer. Dazu kommt, dass fast jeden Tag am Nachmittag eine Seebrise aufkommt, die Kitesurfen nach Feierabend zur Regel werden lässt.
Nach drei Wochen besuche ich zum ersten Mal wieder China und über Weihnachten und Neujahr kommt der Rest der Familie zwei Wochen zu Besuch.
Wir erkunden die Umgebung Melbournes hauptsächlich auf der Suche nach einheimischen Tieren. Und recht schnell werden wir auch fündig, und können Kängurus, Wombats, und Emus aus nächster Nähe in freier Wildbahn beobachten. Man kam sich fast vor wie in einem Tierpark, angesichts der Menge an Tieren, die sich ohne größere Scheu in unserer Nähe aufhalten.
Wir fahren eine Woche von Melbourne nach Südosten, bis zu Wilson’s Promontory. Das ist eine Art Kap und ein Naturschutzgebiet mit einem großen Zeltplatz in der Mitte. Von dort aus unternehmen wir einige Wanderungen in der herrlichen Landschaft. Nur verpflegungstechnisch haben wir uns vergriffen. Wir haben zwar Nudeln und Reis und diverse andere Gerichte eingekauft, aber auf dem australischen Campingplatz gibt es keine Kochgelegenheit… Nur Barbeque, also öffentliche elektrische Grills. Wir hätten Fleisch und Hamburger gebraucht, denn ein Topf Wasser auf den Grill gestellt, braucht ca. 30 Minuten bis es zumindest heiß genug ist, damit die nudeln gar werden… 😉
Achja, und weil ich es so schön fand, hier ein kleiner Ausschnitt unserer Wanderung, als Lasse voraus läuft, und einer Ameise begegnet:

Die zweite Woche nach Neujahr verbringen wir damit, nach Südwesten zu fahren – entlang der Great Ocean Road.
Auf unserer Fahrt entlang der dieser sehr malerischen Stecke finden wir dann auch noch eine ganze Reihe Koalabären.
Dort hatten wir auch unser Zelt dabei und haben auch immer einen Platz gefunden, um es aufzustellen. Ganz wohl war uns dabei aber nicht immer, denn zu dieser Jahreszeit gibt es in Australien immer wieder Buschfeuer. Deshalb soll man eigentlich nicht wild im Busch übernachten. Zum Glück waren die Feuer aber immer woanders als wir 🙂

Zelten im Busch

Zelten im Busch

Die Great Ocean Road ist eine tolle Route, die sowohl schöne Strände und Steilküsten, als auch Regenwälder mit Baumfarnen zu bieten hat.
Es ist schon etwas ungewöhlich, Weihnachten und Silvester ohne Kerzen und Schnee zu feiern, aber das sind wir von den letzten beiden Malen auf Hawaii und Hainan ja schon fast gewohnt..
Inzwischen ist meine Zeit in Australien auch schon fast wieder rum. Eine Woche bin ich noch in China zu Besuch, dann im Februar zwei Wochen zum Skiurlaub in Davos und nach zwei weiteren Wochen geht es dann wieder dauerhaft zurück zur Familie nach China.
Hier Australien-Impressionen: