Die große Mauer

Jetzt wohnen wir schon ein Jahr in China und haben immer noch nicht die große Mauer gesehen.
Ach nee, wir haben sie natürlich schon gesehen – in der inneren Mongolei. Da besteht die Mauer aus Schieferplatten oder einfach Stampflehm.
Aber die Mauer ist lang (über 21.000 km!) und ein bis zwei Autostunden nördlich von Peking gibt es die eindrucksvollen gemauerten Abschnitte der Mauer mit großen Wachtürmen alle paar hundert Meter.
Und die haben wir uns jetzt auch endlich mal angesehen. Von Peking aus gibt es diverse Orte, die von Touristen-Bussen angefahren werden. Ich hatte eine Wanderung auf einem weniger besuchten Abschnitt rausgesucht, der auch zu den spektakulären Teilstücken führt, auf denen die Mauer nur ein paar Hand breit ist, und wo es zu beiden Seiten hundert Meter in die Tiefe geht.
Wir mieteten uns einen Fahrer, der uns zum Ausgangspunkt der Wanderung nach Jinshanling brachte, wo eine langsame Seilbahn den ersten Aufstieg erleichterte. Einheimische teilten uns beim Losgehen noch mit, dass die Mauer auf halber Strecke unserer geplanten Wanderung gesperrt sei, und dass wir demnach nicht bis zu unserem geplanten Ziel (Simatai) wandern könnten.
Na, mal sehen. Zunächst ging es hoch und wir waren von Horden von Schülern umgeben, die in 4 oder 5 Reisebussen angereist waren, um auch hier zu wandern. So viel also zum weniger besuchten Abschnitt :-/
Es war aber dennoch eine extrem schöne Wanderung auf der Mauerkrone. Das sonnige Herbstwetter und die leuchtenden Herbstfarben der Vegetation taten ihr Übriges dazu.

Herbstmauer

Herbstmauer

Je weiter wir gingen, desto weniger wurden auch die anderen Touristen. Lasse zeigte sich dabei als guter Wanderer, der den ganzen Weg fast ohne Pause mit auf und ab stieg. Es ging nämlich nur selten geradeaus, sondern meistens steil aufwärts oder abwärts..
…bis wir vor einem verschlossenen Wachturm ankamen, in dem ein Beamter darüber wachte, dass hier keiner mehr weiter ging. Ein paar Schilder wiesen darauf hin, dass der folgende Abschnitt baufällig sei, und nur auf eigene Gefahr betreten werden dürfe.
Nun gut, das Risiko wollten wir gerne eingehen. Leider erwies es sich als ziemlich unmöglich, den geschlossenen Wachturm zu umgehen. Denn der weitere Verlauf der Mauer dahinter entsprach noch gut ihrem eigentlichen Zweck, vor Eindringlingen zu schützen. Wir hätten uns zwar durch steiles Gelände und dichtes Gestrüpp an der Mauer entlang durchschlagen können, wären aber wohl nicht mehr auf die Mauerkrone gelangt.
Also machten wir uns nach einigen Diskussionen und erfolglosen Bestechungsversuchen wohl oder übel wieder auf den Rückweg, um letztlich wieder in die Nähe unseres Ausgangspunktes abzusteigen.
Dort erwartete uns dann auch schon der Fahrer, den wir telefonisch informiert hatten, dass wir nicht wie geplant im nächsten Ort abgeholt werden wollten.

Hier ein Haufen Mauer-Fotos

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